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Mietbremse 2026: Bis zu 113 Euro monatlich sparen Österreichs Mieter

23. März 2026 um 09:03
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Eine gute Nachricht für 1,1 Millionen Haushalte in Österreich: Ab April 2026 greifen gleich zwei neue Mietbremsen-Gesetze, die für deutliche Entlastungen sorgen. Während die Teuerung in vielen Bere...

Eine gute Nachricht für 1,1 Millionen Haushalte in Österreich: Ab April 2026 greifen gleich zwei neue Mietbremsen-Gesetze, die für deutliche Entlastungen sorgen. Während die Teuerung in vielen Bereichen weiter zuschlägt, können Mieter erstmals aufatmen. Die Arbeiterkammer Wien hat vorgerechnet: In manchen Bundesländern bleiben Mietern durch die Bremsen bis zu 113 Euro monatlich mehr im Geldbeutel – das sind über 1.350 Euro im Jahr.

Erstmals auch ungeregelte Mieten gebremst

Die neuen Regelungen markieren einen Wendepunkt in der österreichischen Mietpolitik. Das Mietenwertsicherungsgesetz greift ab April erstmals auch bei ungeregelten Mieten ein und betrifft rund 470.000 private Mietwohnungen. Parallel dazu werden durch das fünfte Mietrechtliche Inflationslinderungsgesetz (MILG) die geregelten Mieten in etwa 340.000 privaten Altbauwohnungen und 280.000 kommunalen Mietwohnungen erneut stark begrenzt.

Das ungeregelte Mietverhältnis bezeichnet Mietverträge, die nicht den strengen Bestimmungen des Mietrechtsgesetzes unterliegen – etwa bei Neubauten nach 1945 oder luxussanierten Wohnungen. Hier konnten Vermieter bisher die Miete weitgehend frei bestimmen. Das geregelte Mietverhältnis hingegen unterliegt dem Richtwertmietzins-System, das bereits seit Jahrzehnten Mietobergrenzen vorsieht, basierend auf Lage, Ausstattung und Baujahr der Immobilie.

Wiener Richtwert steigt nur minimal statt drastisch

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der Wiener Richtwert erhöht sich ab April von 6,67 auf nur 6,74 Euro pro Quadratmeter – ein bescheidenes Plus von einem Prozent. Ohne die drei seit 2023 beschlossenen Mietbremsen-Gesetze wäre der Richtwert bereits auf 7,67 Euro geklettert, was einer Steigerung von 14,9 Prozent entsprochen hätte.

Diese Entwicklung ist das Ergebnis intensiver Lobbyarbeit der Arbeiterkammer und verschiedener Mieterschutzorganisationen. Bereits 2022, als die Inflation ihren Höhepunkt erreichte, warnten diese Organisationen vor einer gefährlichen Preis-Mieten-Spirale und forderten politisches Handeln.

Die Chronologie der Mietbremsen-Gesetze

  • Drittes MILG (2023): Beschränkte Richtwert-Erhöhungen 2025 auf maximal 5 Prozent
  • Viertes MILG: Setzte Erhöhungen komplett aus
  • Fünftes MILG (Dezember 2025): Begrenzt aktuelle Erhöhung auf 1 Prozent
  • Mietenwertsicherungsgesetz (Dezember 2025): Bremst erstmals ungeregelte Mieten

Konkrete Ersparnisse nach Bundesländern

Die Arbeiterkammer hat detailliert berechnet, wie viel Geld Mieter durch die Bremsen sparen. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind beträchtlich und spiegeln die regionalen Mietpreis-Niveaus wider:

Wien: Eine durchschnittliche 60-Quadratmeter-Gemeindewohnung, die zum Richtwert vermietet wird, kostet nun 61 Euro weniger pro Monat. Das entspricht jährlichen Ersparnissen von etwa 740 Euro. Bei einer 72-Quadratmeter-Wohnung im privaten Altbau sind es sogar 74 Euro monatlich oder 890 Euro jährlich.

Steiermark: Hier fallen die Ersparnisse noch höher aus. Bei einer durchschnittlichen 72-Quadratmeter-Wohnung sparen Mieter 96 Euro pro Monat, was sich auf rund 1.150 Euro im Jahr summiert.

Vorarlberg: Den Spitzenplatz bei den Ersparnissen belegt Vorarlberg mit 113 Euro monatlich für eine vergleichbare Wohnung – das sind fast 1.360 Euro pro Jahr.

Diese regionalen Unterschiede erklären sich durch die verschiedenen Richtwerte in den Bundesländern. Vorarlberg hatte traditionell die höchsten Richtwerte, weshalb die Mietbremsen dort auch die größte absolute Wirkung entfalten.

Neuer AK-Rechner bringt Klarheit für Mieter

Um die komplexen Regelungen der Mietpreisbremse verständlich zu machen, hat die Arbeiterkammer Wien ein neues digitales Service entwickelt: den Mietpreisbremse-Rechner. Dieses Tool ermöglicht es Mietern und Vermietern gleichermaßen, schnell und unkompliziert zu berechnen, wie stark eine Miete 2026 maximal steigen darf.

Der Rechner berücksichtigt die erstmals direkt in die vertragliche Wertsicherung von Mieten eingreifende Regelung. Bisher war es für Laien nahezu unmöglich, die korrekte Berechnung nachzuvollziehen, da verschiedene Gesetze, Richtwerte und Indexanpassungen zusammenspielen.

Politischer Kontext und Durchsetzung

Die Entstehung der Mietbremsen-Gesetze war ein langwieriger politischer Prozess. Die Teuerungskrise ab 2022 hatte die Wohnkosten für viele österreichische Haushalte untragbar werden lassen. Während die Inflation zweistellige Werte erreichte, stiegen auch die Mieten entsprechend mit, da viele Mietverträge indexgebundene Wertsicherungsklauseln enthalten.

Die damalige Regierung reagierte zunächst zögerlich auf die Forderungen der Arbeiterkammer und anderer Interessensvertretungen. Erst der massive öffentliche Druck und die dokumentierten Härtefälle führten 2023 zum ersten Mietbremsen-Gesetz. Die aktuelle Regierung setzte diese Politik fort und verschärfte sie sogar.

Vergleich mit anderen Ländern

Im internationalen Vergleich nimmt Österreich mit seinen Mietbremsen eine Vorreiterrolle ein. Deutschland diskutiert seit Jahren über einen bundesweiten Mietendeckel, konnte sich aber noch nicht auf einheitliche Regelungen einigen. Die Schweiz kennt zwar ähnliche Richtwert-Systeme, diese sind aber weniger strikt als die österreichischen Neuregelungen.

Frankreich hatte bereits 2019 einen Mietendeckel in Paris eingeführt, dieser wurde jedoch 2021 vom Verfassungsrat wieder gekippt. Die österreichische Lösung gilt daher als besonders ausgewogen, da sie sowohl Mieter schützt als auch Vermieterrechte berücksichtigt.

Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt

Experten rechnen mit unterschiedlichen Reaktionen des Immobilienmarkts auf die neuen Regelungen. Während sich die Situation für Bestandsmieter deutlich verbessert, könnte es bei Neuvermietungen zu Anpassungsreaktionen kommen. Vermieter könnten versuchen, die Bremsen durch höhere Anfangsmieten oder zusätzliche Nebenkosten zu umgehen.

Gleichzeitig dürfte der Druck auf den sozialen Wohnbau steigen. Die attraktiveren Konditionen im gemeinnützigen Sektor könnten die Nachfrage weiter erhöhen. Wien plant bereits, das Angebot an Gemeindewohnungen bis 2030 um 20.000 Einheiten zu erweitern.

Für den privaten Mietmarkt bedeuten die Bremsen eine Planungssicherheit, die beiden Seiten zugutekommt. Mieter können ihre Wohnkosten besser kalkulieren, während Vermieter klare rechtliche Rahmenbedingungen haben.

Weitere Reformpläne der Arbeiterkammer

Die Arbeiterkammer gibt sich mit den erreichten Mietbremsen nicht zufrieden und fordert weiterreichende Reformen des österreichischen Mietrechts. Ein modernes, klares Mietrecht mit transparenten Mietzinsobergrenzen steht ganz oben auf der Agenda.

Besonders im Fokus stehen befristete Mietverträge, die nach Ansicht der AK grundsätzlich abgeschafft werden sollten. Ausnahmen soll es nur für Privatpersonen geben, die ihre Wohnung vorübergehend vermieten. Diese Regelung würde Mietern mehr Sicherheit geben und Vermieter daran hindern, durch künstliche Befristungen höhere Mieten durchzusetzen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Bekämpfung von Mietwucher. Die AK fordert saftige Strafen für Vermieter, die überhöhte Mieten verlangen. Derzeit sind die Sanktionen oft zu gering, um eine abschreckende Wirkung zu entfalten.

Ausblick: Was Mieter jetzt tun sollten

Mieter, die von den neuen Regelungen profitieren möchten, sollten ihre Mietverträge genau prüfen. Nicht alle Verträge unterliegen den Mietbremsen, und die Berechnung der zulässigen Erhöhungen kann komplex sein. Der neue AK-Rechner unter https://mietbremse.arbeiterkammer.at/ bietet hier wertvolle Hilfe.

Wer unsicher ist, ob die vom Vermieter geforderte Mieterhöhung rechtens ist, sollte sich an die Arbeiterkammer oder an eine Mietervereinigung wenden. Viele Erhöhungen der vergangenen Jahre waren überhöht und können rückwirkend korrigiert werden.

Die neuen Mietbremsen-Gesetze zeigen, dass politischer Druck und konsequente Interessensvertretung Wirkung zeigen können. Für Österreichs Mieter bedeuten sie eine spürbare Entlastung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten – und möglicherweise den Beginn einer grundlegenden Reform des Mietrechts, die Wohnen wieder leistbarer macht.

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