Der Frühling hat offiziell begonnen – zumindest für Österreichs Gartenliebhaber. Von 19. bis 22. März 2025 strömten 45.726 Besucher zur pool+garden und KULINAR TULLN, um sich über die neuesten Tren...
Der Frühling hat offiziell begonnen – zumindest für Österreichs Gartenliebhaber. Von 19. bis 22. März 2025 strömten 45.726 Besucher zur pool+garden und KULINAR TULLN, um sich über die neuesten Trends in Sachen Gartengestaltung, Poolbau und Outdoor-Living zu informieren. Das Interesse war so groß, dass die Veranstalter bereits von einem der erfolgreichsten Jahre der Messegeschichte sprechen. Besonders auffällig: Der Trend zum "Wohnen im Garten" hat sich während der Corona-Pandemie manifestiert und hält auch 2025 ungebrochen an.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mehr als 240 Aussteller präsentierten ihre Neuheiten rund um Pools, Whirlpools, Jacuzzis, Griller und Outdoor-Küchen. Zeitgleich lockten 175 Aussteller der KULINAR TULLN mit kulinarischen Innovationen. "Die pool+garden mit der KULINAR TULLN hat einmal mehr mit ihrem unglaublichen Potential überzeugt", erklärt Mag. Wolfgang Strasser, Geschäftsführer der Messe Tulln. "Die Nachfrage nach Pools, Gartenmöbeln und Gartengestaltung war ausgezeichnet."
Diese Entwicklung spiegelt einen gesamtgesellschaftlichen Wandel wider: Österreicherinnen und Österreicher investieren immer mehr in ihre privaten Außenräume. Der Garten wird zur erweiterten Wohnfläche, zum Rückzugsort und zum Statusobjekt. Experten schätzen, dass der österreichische Gartenmarkt mittlerweile ein Volumen von über 2,5 Milliarden Euro jährlich erreicht hat.
Der Begriff "Wohnen im Garten" beschreibt die zunehmende Verschmelzung von Innen- und Außenräumen. Während früher der Garten primär als Nutzfläche für Gemüseanbau oder einfache Erholung diente, wird er heute als vollwertige Erweiterung des Wohnraums konzipiert. Outdoor-Küchen ersetzen den simplen Grillplatz, Lounge-Bereiche mit wetterfesten Möbeln schaffen gemütliche Aufenthaltszonen, und Pools werden zu architektonischen Gestaltungselementen.
Diese Entwicklung erfordert eine professionelle Planung und hochwertige Materialien. Moderne Gartenprojekte kosten oft zwischen 50.000 und 200.000 Euro – Tendenz steigend. Besonders beliebt sind integrierte Lösungen: Pool und Terrasse aus einem Guss, automatische Bewässerungssysteme, Smart-Home-Integration für Beleuchtung und Beschattung sowie energieeffiziente Wärmepumpen für ganzjährige Poolnutzung.
Die Nachfrage nach privaten Schwimmbädern erreicht in Österreich Rekordniveaus. DI Lukas Poinstingl, Geschäftsführer der LEIDENFROST-POOL GmbH, berichtet von einer "deutlichen Zunahme an konkreten Fixtermin-Buchungen direkt auf der Messe". Wolfgang Taubenschuss von der Fritz Holter GmbH bestätigt: "Das große Interesse an innovativen Pool- und Wellnesslösungen bestätigt unseren Ansatz."
Die Statistiken untermauern diesen Trend: In Österreich werden jährlich etwa 4.500 neue private Pools errichtet – ein Plus von 40 Prozent gegenüber 2019. Besonders stark ist die Nachfrage in Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark. Ein Standardpool (8x4 Meter) kostet inklusive Technik und Installation zwischen 35.000 und 60.000 Euro. Luxusvarianten mit Wellness-Features können durchaus 150.000 Euro oder mehr kosten.
Der Boom bringt allerdings auch Probleme mit sich. Viele Poolbau-Unternehmen kämpfen mit Materialengpässen und Fachkräftemangel. Die Wartezeiten für einen neuen Pool betragen derzeit zwischen 12 und 18 Monaten. Grund sind nicht nur die hohe Nachfrage, sondern auch Lieferprobleme bei speziellen Poolfolien, Filtersystemen und Wärmepumpen.
"Wir müssen unseren Kunden leider oft längere Wartezeiten kommunizieren", erklärt ein Brancheninsider. "Gleichzeitig steigen die Materialkosten kontinuierlich." So haben sich die Preise für Poolfolien seit 2022 um etwa 25 Prozent erhöht, bei Wärmepumpen sind es sogar 30 Prozent.
Im europäischen Vergleich liegt Österreich bei der Anzahl privater Pools pro Einwohner bereits in der Spitzengruppe. Während Deutschland auf etwa 800.000 private Pools kommt (bei 83 Millionen Einwohnern), verfügt Österreich über geschätzte 180.000 Pools bei 9 Millionen Einwohnern. Das ergibt eine deutlich höhere Pool-Dichte als beim nördlichen Nachbarn.
In der Schweiz ist die Entwicklung ähnlich dynamisch, allerdings auf noch höherem Preisniveau. Französische und italienische Haushalte setzen traditionell stärker auf öffentliche Bäder und Meeresurlaub. Interessant ist der Vergleich mit skandinavischen Ländern: Dort dominieren Saunas und Hot Tubs, klassische Pools sind aufgrund der klimatischen Bedingungen seltener.
Innerhalb Österreichs zeigen sich deutliche regionale Präferenzen. In Niederösterreich und dem Burgenland dominieren große, rechteckige Pools für Familien. In Tirol und Vorarlberg sind aufgrund der Topografie oft kleinere, aber dafür technisch aufwendigere Lösungen gefragt. Wien als urbaner Raum setzt verstärkt auf Naturpools und platzsparende Varianten.
Salzburg und Kärnten verzeichnen überdurchschnittlich viele Wellness-Pools mit Gegenstromanlage und Massagefunktionen – vermutlich inspiriert von der regionalen Spa-Kultur. In der Steiermark sind hingegen Naturpools und Schwimmteiche besonders beliebt, was zur ökologischen Ausrichtung vieler steirischer Haushalte passt.
Parallel zum Pool-Boom entwickelt sich auch das Outdoor-Kochen rasant weiter. Die KULINAR TULLN mit ihren 175 Ausstellern spiegelte diesen Trend wider. Kochshows mit Spitzenköchen wie Grand Chef Toni Mörwald zogen die Besucher in Scharen an. "Die KULINAR TULLN ist für uns ein zentraler Ort des Austauschs", bestätigt Elizabeth Wustinger von Vorwerk Thermomix.
Moderne Outdoor-Küchen haben mit dem klassischen Grillplatz nur noch wenig gemein. Professionelle Grillstationen, Pizza-Öfen, Induktionskochfelder für den Außenbereich und sogar Geschirrspüler für den Garten gehören zur Standardausstattung ambitionierter Hobby-Köche. Eine vollausgestattete Outdoor-Küche kostet zwischen 15.000 und 50.000 Euro.
Die Digitalisierung macht auch vor Garten und Terrasse nicht halt. Smart-Home-Systeme steuern Bewässerung, Beleuchtung und Poolheizung automatisch. Smartphone-Apps ermöglichen die Fernsteuerung von Grilltemperaturen und Poolchemie. Solaranlagen für Pools und Gartenhäuser boomen, nicht zuletzt wegen der gestiegenen Strompreise.
Besonders gefragt sind integrierte Lösungen: Pergolen mit automatischen Markisen, die per Wetterstation gesteuert werden, oder Pool-Abdeckungen, die sich per Knopfdruck öffnen und schließen lassen. "Die Kunden wollen Komfort und Effizienz", erklärt ein Fachhändler. "Die Technik soll das Leben erleichtern, nicht komplizieren."
Der Gartenboom hat erhebliche volkswirtschaftliche Auswirkungen. Allein in Österreich beschäftigt die Gartenbranche über 25.000 Menschen direkt – von Landschaftsgärtnern über Poolbauer bis zu Fachhändlern. Indirekt profitieren Zulieferer, Transporteure und Dienstleister.
Die Auftragsbücher der Branche sind voll: "Wir verzeichnen eine deutliche Zunahme an konkreten Fixtermin-Buchungen", bestätigt Lukas Poinstingl von LEIDENFROST-POOL. Martin Starkl von der Anton Starkl GmbH ergänzt: "Diese persönlichen Kontakte bilden oft den Start für langfristige Projekte."
Clemens Staubmann von der Hameter Garten GmbH schätzt den persönlichen Austausch: "Besonders wertvoll ist für uns die überregionale Anziehungskraft der Veranstaltung." Hannes Horwath von TREND-MASTER spricht von einem "anspruchsvollen, kaufkräftigen Publikum".
Trotz des Booms kämpft die Branche mit Herausforderungen. Der Fachkräftemangel ist akut: Qualifizierte Poolbauer, Landschaftsgärtner und Techniker sind rar gesät. Viele Betriebe müssen Aufträge ablehnen oder längere Wartezeiten in Kauf nehmen.
Die Klimakrise stellt zusätzliche Anforderungen: Wassersparen wird wichtiger, energieeffiziente Technik ist gefragt, hitzeresistente Pflanzen und Materialien gewinnen an Bedeutung. "Nachhaltigkeit ist kein Trend mehr, sondern Notwendigkeit", betont ein Branchenexperte.
Die Prognosen für den österreichischen Gartenmarkt sind optimistisch. Experten rechnen mit einem weiteren Wachstum von jährlich 8 bis 12 Prozent. Treiber sind demografische Entwicklungen (mehr Single-Haushalte mit höherem Einkommen), Klimawandel (längere warme Perioden) und gesellschaftliche Trends (Work-from-Home, Wellness-Bewusstsein).
Besonders stark wachsen werden voraussichtlich die Bereiche Smart Garden, nachhaltige Materialien und Wellness-Features. Pool-Roboter, die selbstständig reinigen, Solar-Poolheizungen und biologische Wasseraufbereitung stehen hoch im Kurs.
Während bisher primär Eigenheimbesitzer die Hauptzielgruppe darstellten, rücken zunehmend auch Mieter in den Fokus. Modulare Pool-Systeme, mobile Outdoor-Küchen und Balkon-Gärten eröffnen neue Marktsegmente. Auch die Generation Z zeigt verstärktes Interesse an Outdoor-Living – allerdings mit anderen Prioritäten als ihre Eltern.
"Jüngere Kunden wollen Flexibilität und Nachhaltigkeit", beobachtet ein Händler. "Sie investieren lieber in hochwertige, mobile Lösungen als in fest installierte Anlagen." Dies könnte den Markt nachhaltig verändern.
Die pool+garden und KULINAR TULLN 2025 hat eindrucksvoll gezeigt: Der österreichische Gartenmarkt boomt wie nie zuvor. 46.000 Besucher, enthusiastische Aussteller und volle Auftragsbücher sprechen eine deutliche Sprache. Der Trend zum "Wohnen im Garten" ist mehr als eine Mode – er reflektiert veränderte Lebensstile und Prioritäten.
Während frühere Generationen den Garten als Nutzfläche betrachteten, wird er heute zum vollwertigen Lebensraum. Pools, Outdoor-Küchen und Smart-Garden-Technologien verwandeln private Gärten in Luxus-Resorts. Die Branche profitiert, steht aber auch vor Herausforderungen: Fachkräftemangel, Materialengpässe und Nachhaltigkeitsanforderungen prägen die Zukunft.
Die nächste pool+garden und KULINAR TULLN findet vom 18. bis 21. März 2027 statt. Bis dahin dürfte sich der Markt weiter professionalisiert haben – und noch mehr Österreicher werden ihren Garten als erweiterten Wohnraum entdeckt haben. Wer heute einen Pool plant, sollte allerdings Geduld mitbringen: Die Wartezeiten werden vorerst lang bleiben.