Gesundheit

Lungenkrebs bei Frauen: Warum geschlechtssensible Medizin

1. August ist Welt-Lungenkrebstag – ÖGP hebt geschlechtsbezogene Unterschiede hervor

OTSKI-bearbeitet. Dieser Beitrag wurde KI-gestützt erstellt und nicht redaktionell geprüft.
Aussender: Österreichische Gesellschaft für Pneumologie
29. Juli 2026

Die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie weist zum Welt-Lungenkrebstag auf Unterschiede bei Lungenkrebs zwischen den Geschlechtern hin: Risikofaktoren, Tumorbiologie und Diagnostik weichen oft ab.

Lungenkrebs gilt lange als klassische „Raucherkrankheit“ und als Erkrankung älterer Männer. Die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) stellt zum Welt-Lungenkrebstag am 1. August heraus, dass dieses Bild nicht mehr der Realität entspricht: Während die Häufigkeit bei Männern rückläufig ist, steigen die Raten bei Frauen seit Ende der 1990er-Jahre an.

Nach Brustkrebs ist Lungenkrebs weltweit die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen. Die ÖGP betont, dass sich Frauen in mehrfacher Hinsicht anders von Lungenkrebs betroffen zeigen als Männer – bei Risikofaktoren, Tumorbiologie, Diagnostik und beim Ansprechen auf Therapien. Viele dieser Unterschiede fänden in der medizinischen Versorgung bisher zu wenig Beachtung.

Rauchen bleibt der wichtigste Risikofaktor – aber nicht der einzige

OA Dr. Maximilian Hochmair, Leiter der ÖGP-Expert*innengruppe Pneumologische Onkologie, erklärt: "Rund 80 bis 90 Prozent aller Lungenkrebserkrankungen stehen weiterhin mit dem Tabakkonsum in Zusammenhang. Dennoch fällt seit einigen Jahren auf, dass vergleichsweise viele Frauen an Lungenkrebs erkranken, obwohl sie nie oder nur wenig geraucht haben. Besonders häufig handelt es sich dabei um das Adenokarzinom, den heute häufigsten Typ des Lungenkrebses."

Die ÖGP nennt mehrere weitere Belastungsfaktoren: Passivrauchen erhöht das Erkrankungsrisiko. Luftverschmutzung und Rauch aus Holz-, Kohle- oder Biomassefeuern in Innenräumen werden als relevante Belastungen aufgeführt. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation seien weltweit insbesondere Frauen in Ländern mit traditionellen Kochstellen über viele Jahre erheblichen Konzentrationen gesundheitsschädlicher Feinstäube und krebserregender Stoffe ausgesetzt.

Auch Dämpfe, die beim starken Erhitzen von Speiseölen entstehen, werden als möglicher Risikofaktor diskutiert. Solche Belastungen träfen Frauen aufgrund traditioneller Rollenverteilungen in vielen Regionen der Welt häufiger als Männer.

Biologische Unterschiede spielen ebenfalls eine Rolle

Die ÖGP verweist darauf, dass neben Umwelt- und Lebensstilfaktoren zunehmend die Biologie in den Mittelpunkt der Forschung rückt. Zahlreiche Studien zeigten, dass sich Lungenkrebs bei Frauen molekular teilweise anders entwickle als bei Männern.

Hochmair, Oberarzt und Leiter der pneumoonkologischen Tagesambulanz/Tagesklinik an der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie der Klinik Floridsdorf, der auch am Karl Landsteiner Institut für Lungenforschung und pneumologische Onkologie forschend tätig ist, erklärt: "Frauen weisen häufiger sogenannte EGFR-Mutationen auf. Diese genetischen Veränderungen fördern das Wachstum bestimmter Tumoren, eröffnen aber gleichzeitig die Möglichkeit einer gezielten Behandlung mit modernen Tyrosinkinasehemmern. Gerade deshalb ist eine umfassende molekulare Diagnostik heute unverzichtbarer Bestandteil der Therapieentscheidung."

Die Aussendung nennt zudem Unterschiede im Immunsystem, im Stoffwechsel von Medikamenten sowie in der Regulation zahlreicher Gene als zunehmend beschriebene Faktoren. Die ÖGP betont zugleich, dass viele dieser Mechanismen noch nicht vollständig verstanden seien. Den Einfluss weiblicher Hormone bewertet OÄ Dr.in Romana Wass, PhD, stellvertretende Leiterin der ÖGP-Expert*innengruppe Pneumologische Onkologie, deutlich vorsichtiger: "Zwar besitzen viele Lungentumoren Östrogenrezeptoren, und experimentelle Studien sprechen für einen möglichen Einfluss von Östrogen auf das Tumorwachstum. Ob hormonelle Verhütungsmittel oder Hormonersatztherapien das Erkrankungsrisiko tatsächlich verändern, ist bislang jedoch nicht eindeutig belegt. Die bisherigen Studien liefern widersprüchliche Ergebnisse."

Wenn Symptome nicht ernst genommen werden

Ein zentrales Problem ist nach Angaben der ÖGP die oftmals verzögerte Diagnose. Lungenkrebs verursache gerade in frühen Stadien häufig keine oder nur unspezifische Beschwerden wie anhaltenden Husten, Atemnot, Rückenschmerzen, Müdigkeit oder Gewichtsverlust. Diese Symptome würden insbesondere bei jüngeren Frauen selten sofort mit einer Lungenerkrankung in Verbindung gebracht.

Wass, Oberärztin an der Universitätsklinik für Innere Medizin 4 mit Pneumologie am Kepler Universitätsklinikum in Linz, Tumorboard/Tumorambulanz, stellt klar: "Mehrere Untersuchungen weisen darauf hin, dass Frauen später diagnostiziert werden als Männer und häufiger mehrere Arztkontakte benötigen, bevor die richtige Diagnose gestellt wird. Gründe hierfür sind unter anderem das weiterhin verbreitete Bild des ‚typischen Lungenkrebspatienten‘ als älterer männlicher Raucher sowie die geringere Wahrscheinlichkeit, bei Nichtraucherinnen frühzeitig an Lungenkrebs zu denken."

Frauen sind in klinischen Studien weiterhin unterrepräsentiert

Die ÖGP weist darauf hin, dass Frauen über viele Jahre in Studien zu Lungenkrebs seltener vertreten waren als Männer. Daraus resultiere, dass viele Erkenntnisse zu Dosierungen, Nebenwirkungen oder Therapieeffekten überwiegend auf männlichen Patientenkollektiven beruhen.

Hochmair führt aus: "Heute weiß man, dass Frauen unter bestimmten Krebstherapien häufiger Nebenwirkungen entwickeln können. Dies betrifft unter anderem Übelkeit, neurologische Beschwerden und einige immunvermittelte Nebenwirkungen. Ob daraus künftig geschlechtsspezifische Dosierungsempfehlungen entstehen sollten, wird derzeit intensiv untersucht. Gesicherte Empfehlungen existieren bislang jedoch nur in Einzelfällen."

Die Aussendung nennt außerdem, dass das Ansprechen auf Immuntherapien teilweise zwischen den Geschlechtern zu unterscheiden scheint, wobei die ÖGP betont, dass weniger das Geschlecht selbst als vielmehr die unterschiedliche Häufigkeit bestimmter Tumormutationen – etwa im EGFR-Gen – eine wichtige Rolle spielen dürfte.

Geschlechtssensible Medizin bedeutet bessere Medizin für alle

Wass fasst die Position der ÖGP zusammen: "Aus den bisherigen Erkenntnissen ergibt sich keine eigene Form des ‚Frauen-Lungenkrebses‘. Vielmehr wird deutlich, dass biologische und gesellschaftliche Geschlechtsunterschiede bei Prävention, Diagnostik und Behandlung stärker berücksichtigt werden müssen."

In der Aussendung nennt die ÖGP konkrete Punkte, die berücksichtigt werden sollten:

  • Lungenkrebs auch bei Nichtraucherinnen frühzeitig in Betracht zu ziehen,
  • Frauen konsequent in klinische Studien einzubeziehen,
  • molekulare Tumoranalysen bei allen geeigneten Patientinnen und Patienten durchzuführen,
  • Umwelt- und Passivrauchbelastungen stärker zu berücksichtigen,
  • sowie künftige Screeningprogramme besser an individuelle Risikoprofile anzupassen.

Wichtige Begriffe zu Lungenkrebs

Adenokarzinom: Im Text wird das Adenokarzinom als heute häufigster Typ des Lungenkrebses genannt. Der Begriff beschreibt eine bestimmte Zellart des Lungengewebes, aus der sich Tumoren bilden können.

EGFR-Mutation: EGFR steht für einen Rezeptor, dessen genetische Veränderungen laut ÖGP bei Frauen häufiger vorkommen. Solche Mutationen beeinflussen molekulare Wachstumswege von Tumoren und haben Bedeutung für die Therapieplanung.

Tyrosinkinasehemmer: Die Aussendung nennt moderne Tyrosinkinasehemmer als eine Möglichkeit der gezielten Behandlung bei Tumoren mit bestimmten Mutationen. Tyrosinkinasehemmer sind Arzneimittel, die in molekulare Signalwege eingreifen und deshalb bei bestimmten genetischen Veränderungen eingesetzt werden.

Molekulare Diagnostik: Die ÖGP bezeichnet eine umfassende molekulare Diagnostik als unverzichtbaren Bestandteil der Therapieentscheidung. Damit sind labordiagnostische Untersuchungen gemeint, die genetische Veränderungen und andere molekulare Eigenschaften eines Tumors analysieren.

Passivrauchen und Innenraumrauch: Im Text werden Passivrauchen sowie Rauch aus Holz-, Kohle- oder Biomassefeuern als Risikofaktoren genannt. Diese Belastungen betreffen laut Aussendung weltweit insbesondere Frauen in Regionen mit traditionellen Kochstellen.

Einordnung der Entwicklungen

Die ÖGP verweist auf Studien und Veröffentlichungen, etwa Backhus et al., 2024, und Mosleh et al., 2024, die eine unterschiedliche Entwicklung der Erkrankungs- und Sterberaten bei Männern und Frauen beobachten. Während in vielen Industrieländern die Raten bei Männern rückläufig sind, steigen sie bei Frauen in zahlreichen Regionen weiter an oder gehen deutlich langsamer zurück.

Die Aussendung führt diese Trends in erster Linie auf veränderte Rauchgewohnheiten der vergangenen Jahrzehnte zurück, betont aber gleichzeitig, dass dies nicht allein die Erklärung sei. Weitere belastende Faktoren wie Luftverschmutzung, Innenraumrauch und möglicherweise Dämpfe beim starken Erhitzen von Speiseölen werden genannt.

FAQ zum Thema Lungenkrebs bei Frauen

Warum steigen die Lungenkrebsraten bei Frauen?

Die ÖGP nennt veränderte Rauchgewohnheiten der vergangenen Jahrzehnte als einen wichtigen Faktor. Zugleich weisen Studien darauf hin, dass andere Belastungen wie Luftverschmutzung, Innenraumrauch und mögliche Schadstoffe beim Erhitzen von Ölen Frauen in vielen Regionen häufiger betreffen und zur Entwicklung beitragen können.

Welche Rolle spielt Rauchen konkret?

Nach Angaben der ÖGP stehen rund 80 bis 90 Prozent aller Lungenkrebserkrankungen weiterhin mit Tabakkonsum in Zusammenhang. Passivrauchen bleibt ebenfalls ein nachgewiesener Risikofaktor.

Was bedeuten EGFR-Mutationen für die Behandlung?

Die ÖGP erklärt, dass Frauen häufiger EGFR-Mutationen aufweisen. Diese genetischen Veränderungen eröffnen laut Aussendung die Möglichkeit einer gezielten Behandlung mit modernen Tyrosinkinasehemmern, weshalb eine molekulare Diagnostik als wichtiger Bestandteil der Therapieentscheidung genannt wird.

Warum werden Frauen später diagnostiziert?

Die Aussendung verweist auf mehrere Untersuchungen, die zeigen, dass Frauen später diagnostiziert werden und häufiger mehrere Arztkontakte benötigen. Als Gründe werden das weiter verbreitete Bild des ‚typischen Lungenkrebspatienten‘ als älterer männlicher Raucher und die geringere Wahrscheinlichkeit genannt, bei Nichtrauchern frühzeitig an Lungenkrebs zu denken.

Wie ist die Repräsentation von Frauen in klinischen Studien?

Die ÖGP stellt fest, dass Frauen über viele Jahre in Lungenkrebsstudien unterrepräsentiert waren. Dadurch basierten viele Erkenntnisse zu Dosierungen, Nebenwirkungen und Therapieeffekten überwiegend auf männlichen Kollektiven.

Welche Änderungen empfiehlt die ÖGP?

Die ÖGP nennt mehrere Maßnahmen: Lungenkrebs auch bei Nichtrauchern frühzeitig in Betracht zu ziehen, Frauen konsequent in klinische Studien einzubeziehen, molekulare Tumoranalysen bei geeigneten Patienten durchzuführen, Umwelt- und Passivrauchbelastungen stärker zu berücksichtigen und Screeningprogramme besser an Risikoprofile anzupassen.

Quellen und Kontakt

Quelle: Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP). Die Presseaussendung mit den Literaturhinweisen ist auf der ÖGP-Website abrufbar: https://www.ogp.at/presse/presse-aktuell

Rückfragen Presse: Urban & Schenk medical media consulting, Mag. Harald Schenk, Telefon: +43 664/160 75 99, E-Mail: harald.schenk[at]medical-media-consulting.at

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Grundlage: Presseaussendung von Österreichische Gesellschaft für Pneumologie, verbreitet über APA-OTS. Originalfassung: www.ots.at

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