Greenpeace: Rund 300 Hitzetote in Österreichs Juni-Hitzewelle
Umweltschutzorganisation fordert Hitze-Notfallpaket, Sanierungsoffensive und kritisiert Klimaminister Norbert Totschnig
Greenpeace berechnet auf Basis von Statistik-Austria-Daten rund 300 zusätzliche Todesfälle in Kalenderwochen 26 und 27; Forderung nach Sofortmaßnahmen und Klimagesetz.
Greenpeace Österreich hat nach eigenen Angaben auf Basis von Daten der Statistik Austria ermittelt, dass während der extremen Hitzewelle im Juni rund 300 Menschen in Österreich an den Folgen der Hitze gestorben sind. Die Umweltschutzorganisation verweist in ihrer Aussendung darauf, dass besonders ältere Menschen sowie Kinder an Hitzetagen mit Temperaturen ab 30 Grad lebensbedrohlich gefährdet sein können.
In der Pressemitteilung kritisiert Greenpeace zudem die Reaktion der Politik: "Österreich erlebt gerade die nächste Hitzewelle, doch Klimaminister Norbert Totschnig ist nach wie vor untätig." Die Organisation fordert Bund und Länder auf, ein sogenanntes Hitze-Notfallpaket mit Maßnahmen zur kurzfristigen Entlastung der Bevölkerung sowie ein ambitioniertes Klimaschutzgesetz und eine Sanierungsoffensive vorzulegen.
Greenpeace-Berechnung im Überblick
Greenpeace gibt als Ergebnis seiner Auswertung an, dass in den Kalenderwochen 26 und 27 im Juni rund 300 zusätzliche Todesfälle aufgetreten sind. Grundlage der Berechnung seien Daten der Statistik Austria.
Die Umweltschutzorganisation erklärt, dass die tatsächliche Zahl der Hitzetoten vermutlich höher liegt, weil in der Berechnung die gesundheitlichen Langzeitfolgen der Extremhitze nicht berücksichtigt wurden. Als Bezugswert verwendete Greenpeace Sterbezahlen der letzten fünf Jahre, um ein erwartetes Juni-Wochenmittel zu ermitteln und dieses mit den realen Sterbezahlen in den genannten Kalenderwochen zu vergleichen.
Wie Greenpeace die Übersterblichkeit berechnet hat
Laut der Aussendung hat Greenpeace aus den Sterbezahlen der letzten fünf Jahre ein zu erwartendes Juni-Wochenmittel errechnet. Dieses erwartete Wochenmittel wurde mit den tatsächlichen Sterbezahlen der Kalenderwochen 26 und 27 verglichen, um die zusätzliche Übersterblichkeit während der Hitzewelle zu bestimmen.
Die Methodik, wie sie in der Mitteilung beschrieben wird, ist auf die kurzfristige Abweichung der Sterbezahlen während der zwei Kalenderwochen fokussiert. Greenpeace betont, dass bei dieser Berechnung mögliche Folgeeffekte jenseits des betrachteten Zeitraums nicht eingerechnet sind, wodurch die Zahl von rund 300 als konservative Schätzung dargestellt wird.
Geforderte Sofortmaßnahmen und Adressaten
In der Pressemitteilung fordert Greenpeace Bund und Länder zum Beschluss eines Hitze-Notfallpakets auf. Als Beispiele für kurzfristig umsetzbare Maßnahmen nennt die Organisation mehrere konkrete Optionen.
- Gratis-Eintritt in öffentliche Bäder
- Geöffnete, gekühlte Aufenthaltsräume auch am Wochenende
- Gratis-Öffis (kostenlose Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel)
Greenpeace spricht explizit Klimaminister Norbert Totschnig sowie Bund und Länder als Adressaten der Forderungen an. In der Aussendung heißt es: "Wenn Minister Totschnig nicht sofort ein Hitze-Notfallpaket initiiert und das lang überfällige Klimaschutzgesetz vorlegt, muss man fragen, ob er die richtige Person für das Amt des Klimaministers ist."
Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und Statistik Austria
Die Mitteilung verweist auf die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) als Institution, die bisher nur einmal im Jahr Daten zur hitzebedingten Übersterblichkeit veröffentlicht. Greenpeace nennt eine AGES-Angabe für das Vorjahr: Demnach forderte die Hitze im gesamten Vorjahr 449 Menschenleben.
Als Datenquelle für die eigene Berechnung nennt Greenpeace die Statistik Austria. In der Aussendung wird auf die Sterbezahlen der Statistik Austria Bezug genommen; Greenpeace hat diese Daten laut eigener Darstellung zur Ermittlung des erwarteten Juni-Wochenmittels verwendet.
Übersterblichkeit, Hitzetag, Hitze-Notfallpaket, Klimaschutzgesetz erklärt
Übersterblichkeit: Der Begriff beschreibt in der Regel das Ausmaß, in dem die tatsächliche Zahl der Todesfälle in einem bestimmten Zeitraum über der erwarteten Zahl liegt. Greenpeace hat für die Juni-Hitzewelle ein erwartetes Wochenmittel aus den Sterbezahlen der letzten fünf Jahre errechnet und die Abweichung in den Kalenderwochen 26 und 27 als Übersterblichkeit bezeichnet.
Hitzetag: In der Aussendung wird darauf hingewiesen, dass Hitzetage mit Temperaturen ab 30 Grad speziell für ältere Menschen sowie Kinder lebensbedrohlich sein können. Der Begriff Hitzetag bezeichnet einen Kalendertag mit entsprechend hohen Lufttemperaturen.
Hitze-Notfallpaket: Greenpeace verwendet diesen Begriff für ein Bündel kurzfristig umsetzbarer Maßnahmen, die der Organisation zufolge die Bevölkerung bei Extremtemperaturen sofort entlasten sollen. In der Mitteilung werden Beispiele wie Gratis-Eintritt in öffentliche Bäder, geöffnete kühle Aufenthaltsräume am Wochenende und Gratis-Öffis genannt.
Klimaschutzgesetz: In der Aussendung fordert Greenpeace ein ambitioniertes und wirksames Klimaschutzgesetz von Klimaminister Norbert Totschnig. Die Organisation verknüpft die gesetzgeberische Forderung mit der Notwendigkeit einer Sanierungsoffensive, um Gebäude "hitzefit" zu machen, wie es in der Mitteilung heißt.
Sanierungsoffensive: Als Begriff wird in der Pressemitteilung eine strukturierte Initiative genannt, die laut Greenpeace dazu dienen soll, Österreichs Gebäude für extreme Hitzeereignisse besser vorzubereiten. Konkrete Maßnahmen einer solchen Offensive werden in der Aussendung nicht im Detail aufgelistet.
Was Greenpeace konkret fordert
Greenpeace benennt in der Mitteilung drei vorrangige Bereiche: Erstens ein Hitze-Notfallpaket mit kurzfristig wirksamen Maßnahmen, zweitens ein ambitioniertes Klimaschutzgesetz und drittens eine Sanierungsoffensive für Gebäude. Die Organisation verweist auf eine Liste von sechs Sofortmaßnahmen und nennt einzelne Beispiele in der Aussendung.
Greenpeace bringt die Forderungen in einen politischen Zusammenhang und adressiert sie ausdrücklich an Klimaminister Norbert Totschnig sowie an die Verantwortung von Bund und Ländern. Die Organisation drückt in der Pressemitteilung deutlich Kritik an der bisher (laut Aussendung) ausbleibenden Reaktion auf die akute Hitzesituation aus.
FAQ zur Greenpeace-Berechnung und den Forderungen
Wie viele Hitzetote nennt Greenpeace für die Juni-Hitzewelle?
Greenpeace gibt in der Aussendung an, dass rund 300 Menschen in Österreich während der Juni-Hitzewelle zusätzlich gestorben seien, basierend auf einem Vergleich der Sterbezahlen in den Kalenderwochen 26 und 27 mit einem erwarteten Juni-Wochenmittel.
Wie hat Greenpeace diese Zahl errechnet?
Die Organisation hat laut Mitteilung die Sterbezahlen der letzten fünf Jahre herangezogen, daraus ein erwartetes Juni-Wochenmittel berechnet und dieses mit den Todesfällen in Kalenderwoche 26 und 27 verglichen. Greenpeace betont, dass gesundheitliche Langzeitfolgen nicht in die Berechnung eingerechnet wurden.
Welche Datenquellen nennt Greenpeace?
In der Pressemitteilung werden Daten der Statistik Austria als Grundlage der eigenen Berechnung genannt. Zusätzlich verweist Greenpeace auf Angaben der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) zur jährlichen hitzebedingten Übersterblichkeit und zitiert für das Vorjahr die Zahl 449 hitzebedingte Tote laut AGES.
Welche Sofortmaßnahmen fordert Greenpeace konkret?
Als Beispiele für kurzfristig umsetzbare Maßnahmen nennt Greenpeace Gratis-Eintritt in öffentliche Bäder, geöffnete, gekühlte Aufenthaltsräume auch am Wochenende sowie Gratis-Öffis. In der Aussendung ist außerdem die Rede von insgesamt sechs Sofortmaßnahmen, auf die Greenpeace in einem ergänzenden Verweis eingeht.
An wen richten sich die Forderungen?
Greenpeace benennt Klimaminister Norbert Totschnig sowie Bund und Länder als Adressaten. In der Mitteilung übt die Organisation Kritik an der Reaktion des Klimaministers und fordert von ihm sowohl ein Hitze-Notfallpaket als auch ein ambitioniertes Klimaschutzgesetz.
Ist die Zahl von rund 300 endgültig?
Greenpeace selbst weist in der Aussendung darauf hin, dass die tatsächliche Zahl der Hitzetoten vermutlich höher liegen könnte, weil gesundheitliche Langzeitfolgen der Extremhitze nicht berücksichtigt wurden. Die Angabe von rund 300 zusätzlichen Todesfällen bezieht sich ausdrücklich auf die berechnete Übersterblichkeit in den Kalenderwochen 26 und 27.
Quellen und Kontakt
Als Quellen nennt die Aussendung Greenpeace Österreich sowie Daten der Statistik Austria. Weiterführende Hinweise zu den von Greenpeace vorgeschlagenen Sofortmaßnahmen sind in der Mitteilung mit einem Link auf die Greenpeace-Webseite versehen.
Greenpeace: Forderung zu Gratis-Eintritt und Hitze-Notfallpaket
Statistik Austria: Sterbefälle (Atlas)
Kontakt Greenpeace Österreich: Marc Dengler, Klima- und Energieexperte, Tel: +43 (0) 664 881 722 05, E-Mail: marc.dengler [at] greenpeace.org; Annette Stolz, Leitung Pressearbeit, Tel.: +43 (0) 664 61 26 725, E-Mail: annette.stolz [at] greenpeace.org.
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