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Freie Berufe fordern Schutz der Verschwiegenheit im Parlament

14. April 2026 um 15:03
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Am 22. April 2026 versammeln sich Österreichs wichtigste Freiberufler im Parlament, um für ihre fundamentalen Rechte zu kämpfen. Die Bundeskonferenz der Freien Berufe (BUKO) lädt zu einer brisanten

Am 22. April 2026 versammeln sich Österreichs wichtigste Freiberufler im Parlament, um für ihre fundamentalen Rechte zu kämpfen. Die Bundeskonferenz der Freien Berufe (BUKO) lädt zu einer brisanten Podiumsdiskussion, bei der es um weit mehr geht als nur berufliche Interessen – es geht um die Grundpfeiler unseres Rechtsstaats und die Zukunft der österreichischen Volkswirtschaft.

Verschwiegenheitspflicht als Fundament der Demokratie

Die Verschwiegenheitspflicht ist kein antiquiertes Relikt vergangener Zeiten, sondern ein essentieller Baustein unserer Gesellschaft. Wenn Bürger ihren Anwälten, Ärzten, Steuerberatern oder Notaren nicht mehr vertrauen können, dass ihre sensiblen Informationen geschützt bleiben, bricht ein fundamentales Vertrauen zusammen. Diese Vertraulichkeit ermöglicht es erst, dass Menschen offen über ihre rechtlichen, gesundheitlichen oder finanziellen Probleme sprechen können, ohne Angst vor Konsequenzen haben zu müssen.

Dr. Armenak Utudjian, Präsident des Österreichischen Rechtsanwaltskammertages (ÖRAK), wird in seinem Impulsreferat erklären, warum die Verschwiegenheit keine Privilegienwirtschaft darstellt, sondern eine Freiheitsgarantie für alle Österreicher. Die anwaltliche Schweigepflicht beispielsweise schützt nicht nur wohlhabende Mandanten, sondern auch jenen Arbeiter, der sich wegen einer ungerechtfertigten Kündigung beraten lässt, oder die alleinerziehende Mutter, die Hilfe bei Sorgerechtsstreitigkeiten sucht.

Technologischer Wandel bedroht traditionelle Schutzräume

Die Digitalisierung stellt die Freien Berufe vor völlig neue Herausforderungen. Während früher vertrauliche Gespräche in abgeschlossenen Kanzleien stattfanden, kommunizieren heute viele Klienten über E-Mail, Videocalls oder sogar Messenger-Dienste. Jede digitale Spur kann theoretisch überwacht, gespeichert oder gehackt werden. Gleichzeitig drängen internationale Tech-Konzerne in traditionelle Beratungsfelder vor – mit Algorithmen, die Rechtsfragen beantworten oder medizinische Diagnosen stellen sollen.

Diese Entwicklung birgt erhebliche Risiken für die österreichische Rechts- und Gesellschaftsordnung. Anders als bei menschlichen Beratern gibt es bei KI-basierten Systemen keine persönliche Haftung, keine beruflichen Standesregeln und vor allem keine Verschwiegenheitspflicht. Die in amerikanischen oder chinesischen Rechenzentren gespeicherten Daten unterliegen nicht dem österreichischen Datenschutz.

91.500 Freiberufler als volkswirtschaftliche Säule

Die neun Freiberufskammern – Ärztekammer, Apothekerkammer, Notariatskammer, Patentanwaltskammer, Rechtsanwaltskammertag, Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, Tierärztekammer, Zahnärztekammer und Bundeskammer der Ziviltechniker – repräsentieren gemeinsam rund 91.500 hochqualifizierte Freiberufler. Zusammen mit ihren etwa 200.000 Mitarbeitern stellen sie einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar, der oft unterschätzt wird.

Diese Zahlen verdeutlichen die enorme volkswirtschaftliche Bedeutung der Freien Berufe. Allein die österreichischen Rechtsanwälte erwirtschaften jährlich über 2,5 Milliarden Euro Umsatz, die Ärzte tragen mit ihrer Tätigkeit wesentlich zur Gesundheitsversorgung bei, und Steuerberater sowie Wirtschaftsprüfer sind unverzichtbar für das Funktionieren der österreichischen Wirtschaft. Ziviltechniker planen und überwachen Infrastrukturprojekte von Autobahnen bis zu Krankenhäusern.

Internationale Vergleiche zeigen österreichische Besonderheiten

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern zeichnet sich Österreich durch ein besonders starkes Kammersystem aus. Während in Deutschland ähnliche Strukturen existieren, ist die Organisation in manchen Bereichen anders geregelt. In der Schweiz gibt es teilweise kantonale Unterschiede, und in vielen anderen EU-Ländern sind die Freien Berufe weniger streng organisiert. Diese österreichische Besonderheit gewährleistet hohe Qualitätsstandards, einheitliche Ausbildungsanforderungen und vor allem wirksame Standesaufsicht.

Besonders deutlich wird der Unterschied bei der Verschwiegenheitspflicht: Während in den USA Anwälte unter bestimmten Umständen zur Aussage verpflichtet werden können und in Großbritannien die anwaltliche Schweigepflicht Ausnahmen kennt, gilt in Österreich ein nahezu absoluter Schutz. Ähnlich verhält es sich bei Ärzten: Das österreichische Arztgeheimnis ist strenger als in vielen anderen Ländern, wo Meldepflichten bei bestimmten Krankheiten oder Verdachtsfällen bestehen.

Hochkarätige Politikrunde diskutiert Zukunftsfragen

Das Podiumsgespräch am 22. April verspricht besonders spannend zu werden, da Vertreter aller Parlamentsfraktionen teilnehmen, die selbst aus Freien Berufen stammen. NAbg. Dr. Harald Stefan (FPÖ) bringt als Notar die Perspektive der beurkundenden Berufe ein, während NAbg. Dr. Jakob Grüner (ÖVP) als Rechtsanwalt die Interessen der rechtsberatenden Zunft vertritt. NAbg. Dr. Christoph Matznetter (SPÖ) kann als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer die Sicht der wirtschaftsberatenden Berufe beisteuern.

Besonders interessant dürfte die Teilnahme von NAbg. Dr. Alma Zadic (Grüne) werden, die als ehemalige Justizministerin maßgeblich an rechtspolitischen Weichenstellungen beteiligt war. NAbg. Mag. Gertraud Auinger-Oberzaucher (Neos) bringt als Unternehmerin eine andere, wirtschaftsorientierte Perspektive in die Diskussion ein.

Konkrete Herausforderungen für Österreichs Bürger

Die Veränderungen in den Freien Berufen betreffen jeden österreichischen Bürger direkt. Wenn die Verschwiegenheitspflicht aufgeweicht wird, müssen sich Patienten überlegen, ob sie ihrem Arzt wirklich alle Symptome schildern. Mandanten könnten zögern, ihren Anwälten belastende Tatsachen mitzuteilen. Unternehmer würden möglicherweise ihre Steuerberater nicht mehr vollständig über geschäftliche Schwierigkeiten informieren.

Gleichzeitig bieten technologische Innovationen durchaus Chancen: Telemedizin kann die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum verbessern, digitale Rechtsberatung könnte Rechtshilfe kostengünstiger machen, und automatisierte Steuerberatung könnte Routinetätigkeiten vereinfachen. Die Kunst besteht darin, diese Vorteile zu nutzen, ohne die bewährten Schutzstandards zu opfern.

Rechtssicherheit als Standortfaktor

Hon-Prof. Dr. Claus Spruzina, Präsident der Österreichischen Notariatskammer, wird in seinem Vortrag die Rolle der Freien Berufe als Säule der Rechtssicherheit beleuchten. Rechtssicherheit ist nicht nur ein abstrakter Begriff, sondern ein konkreter Wirtschaftsstandortfaktor. Internationale Investoren schätzen Österreich auch deshalb, weil sie sich auf ein funktionierendes Rechtssystem verlassen können.

Notare spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie beurkunden nicht nur Immobiliengeschäfte oder Testamente, sondern auch Unternehmensübernahmen, Fusionen oder internationale Verträge. Die notarielle Beurkundung gewährleistet, dass alle Beteiligten über die rechtlichen Konsequenzen ihrer Entscheidungen aufgeklärt werden und dass der Inhalt des Geschäfts rechtlich einwandfrei dokumentiert wird.

Ausblick auf zukünftige Entwicklungen

Die Veranstaltung im Parlament wird voraussichtlich wegweisende Impulse für die Zukunft der Freien Berufe in Österreich setzen. Experten erwarten, dass in den kommenden Jahren wichtige gesetzliche Weichenstellungen erfolgen müssen. Die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) hat bereits gezeigt, wie europäische Regelungen nationale Traditionen beeinflussen können.

Besonders spannend wird die Frage, wie sich die Freien Berufe gegenüber internationalen Plattformen und KI-basierten Beratungsdiensten positionieren. Während manche eine komplette Abschottung fordern, plädieren andere für eine kontrollierte Öffnung unter Beibehaltung der bewährten Schutzstandards. Eine dritte Gruppe sieht in der Digitalisierung sogar eine Chance, österreichische Expertise international zu vermarkten.

Dr. Daniel Alge, Patentanwalt und Präsident der BUKO, wird in seinem Hauptvortrag aufzeigen, wie die Freien Berufe diese Herausforderungen meistern können. Als Patentanwalt steht er an vorderster Front des technologischen Wandels und kann sowohl die Risiken als auch die Chancen aus erster Hand beurteilen. Seine Botschaft „Wir wissen, wie's geht!" signalisiert Selbstbewusstsein und Gestaltungswillen der österreichischen Freiberufler.

Networking als Schlüssel zum Erfolg

Der anschließende Empfang bietet Gelegenheit für intensive Gespräche zwischen Politik, Freiberuflern und Medienvertretern. Solche informellen Kontakte sind oft wichtiger als die offiziellen Vorträge, weil hier konkrete Probleme und Lösungsansätze diskutiert werden können. Die Moderation durch Journalistin Nina Kraft verspricht professionelle Gesprächsführung und kritisches Nachfragen.

Anmeldungen sind bis zum 20. April 2026 möglich, Medienvertreter sind ausdrücklich willkommen. Die Veranstaltung findet im Lokal 2 (Elise Richter) des Parlaments statt, einem Raum, der symbolisch für die demokratische Teilhabe steht. Die Eröffnung durch Nationalratspräsident Dr. Walter Rosenkranz unterstreicht die politische Bedeutung des Themas.

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