Erste Group: Starkes Halbjahresergebnis und Ausbau in Polen
Kundenkredite, Einlagen und verwaltetes Vermögen steigen – Integration der Erste Bank Polska auf Kurs
Erste Group meldet für H1 2026 ein deutliches Wachstum bei Krediten und Einlagen, hebt das Kreditziel an und berichtet von planmäßiger Integration der polnischen Tochter.
Die Erste Group Bank AG hat für das erste Halbjahr 2026 ein kräftiges operatives Ergebnis vorgelegt und zugleich den strategischen Fortschritt in Polen hervorgehoben. Das Kreditvolumen der Gruppe stieg inklusive der konsolidierten Erste Bank Polska auf 282,7 Milliarden Euro; das Jahresziel wurde daraufhin auf rund 290 Milliarden Euro angehoben.
Weitere Kennzahlen aus der Aussendung der Gruppe: Das Einlagenvolumen belief sich per Ende des ersten Halbjahres auf 323,7 Milliarden Euro, die harte Kernkapitalquote (CET1) lag bei 15,2 % und der ausgewiesene Nettogewinn erreichte 2,0 Milliarden Euro. Die Integration der polnischen Bank verläuft laut Mitteilung planmäßig, das Rebranding wurde bereits abgeschlossen.
Erste Group Halbjahreszahlen im Überblick
Die Erste Group berichtet, dass die Kundenkredite in den ersten sechs Monaten 2026 inklusive der Erste Bank Polska um 21,9 % auf 282,7 Milliarden Euro gestiegen sind (Dezember 2025: 232,0 Milliarden Euro). Ohne die Konsolidierung von Polen erhöhte sich das Kreditvolumen auf vergleichbarer Basis um 4,0 %.
Die Tochtergesellschaften ohne Polen vergaben 60.000 neue Wohnbaukredite, und im Firmenkundensegment wurde Neugeschäft von mehr als 4 Milliarden Euro verzeichnet. Diese Zahlen nennt die Gruppe als Beleg für anhaltendes organisches Wachstum in nahezu allen Märkten, mit starker Nachfrage nach Finanzierungen insbesondere in Tschechien, Ungarn, Kroatien und Österreich.
Bei den Einlagen verzeichnete die Gruppe auf vergleichbarer Basis (ohne Polen) ein Plus von 4,5 %. Unter Einbeziehung der Einlagen der Erste Bank Polska in Höhe von 59,3 Milliarden Euro stieg das Einlagenvolumen der Gruppe um 27,9 % auf 323,7 Milliarden Euro (Dezember 2025: 253,0 Milliarden Euro).
Der Zinsüberschuss konnte ohne Polen um 6,1 % gesteigert werden; einschließlich der polnischen Bank wuchs er im Jahresvergleich um 42,3 % auf 5,4 Milliarden Euro (H1 2025: 3,8 Milliarden Euro). Der Provisionsüberschuss erhöhte sich auf vergleichbarer Basis um 8,8 %; mit Polen stieg er um 25,1 % auf 1,9 Milliarden Euro (H1 2025: 1,5 Milliarden Euro).
Erträge, Kosten und Ergebnisentwicklung
Die Erste Group meldet ein Wachstum der Betriebserträge um 8,3 % auf vergleichbarer Basis. Rechnet man die Erste Bank Polska hinzu, stiegen die Betriebserträge um 40,4 % auf knapp 8,0 Milliarden Euro (H1 2025: 5,7 Milliarden Euro).
Die Betriebskosten erhöhten sich auf vergleichbarer Basis um 3,4 %, was laut Mitteilung erwartungsgemäß auf höhere Personalaufwendungen und Fremdwährungseffekte zurückgeht. Inklusive Polen lagen die Betriebsaufwendungen bei insgesamt 3,5 Milliarden Euro (H1 2025: 2,7 Milliarden Euro), ein Anstieg um 30,7 %.
Das Betriebsergebnis wuchs auf vergleichbarer Basis um 12,7 %; inklusive der Erste Bank Polska stieg es um 49,3 % auf 4,4 Milliarden Euro (H1 2025: 3,0 Milliarden Euro). Die Kosten-Ertrags-Relation verbesserte sich auf 45,6 % auf vergleichbarer Basis bzw. auf 44,4 % inklusive Polen (H1 2025: 47,7 %).
Risikokosten, NPL-Quote und Bankensteuern
Die Risikokosten beliefen sich im ersten Halbjahr 2026 auf 583 Millionen Euro. Davon entfielen nach Angaben der Gruppe Einmaleffekte nach IFRS 9 in Höhe von 302 Millionen Euro; weitere 60 Millionen Euro betrafen das bestehende Kreditportfolio der Erste Bank Polska. In den etablierten Märkten lagen die Risikokosten bei 221 Millionen Euro (H1 2025: 182 Millionen Euro).
Die NPL-Quote (non-performing loans) bewegte sich mit 2,3 % weiterhin auf einem niedrigen Niveau (Dezember 2025: 2,4 %). Die Belastung durch Bankensteuern verdoppelte sich nahezu auf 392 Millionen Euro (H1 2025: 197 Millionen Euro). Als Ursachen nennt die Gruppe höhere Belastungen in Ungarn (von 109 auf 189 Millionen Euro) und Rumänien (von 20 auf 39 Millionen Euro) sowie die erstmalige Verbuchung der Bankenabgabe in Polen (98 Millionen Euro). In der Slowakei fielen Bankensteuern in Höhe von 33 Millionen Euro an, die in der Position Steuern vom Einkommen verbucht wurden (H1 2025: 32 Millionen Euro).
Integration der Erste Bank Polska: Markenaufbau und nächste Schritte
Die Übernahme eines beherrschenden 49 %-Anteils der Erste Bank Polska wurde im Jänner 2026 abgeschlossen. Seither verläuft die Integration laut Mitteilung planmäßig. Die Gruppe führte im April 2026 eine umfassende Rebranding-Kampagne durch, mit der die Marke Erste in Polen eingeführt wurde.
Die Erste Bank Polska gewann im ersten Halbjahr 2026 mehr als 300.000 Neukunden, so die Aussendung. Aufbauend auf der starken Position der polnischen Tochter im Privat- und Firmenkundengeschäft nennt die Erste Group Potenzial, das Angebot für Firmenkunden in der Region weiter auszubauen.
Als nächste Integrationsschritte werden die vollständige technische Anbindung der Bank an die Infrastruktur der Gruppe sowie die rechtliche und organisatorische Eingliederung der Tochtergesellschaften in Polen genannt. Dazu zählen konkret die Eingliederung der Erste TFI in die Erste Asset Management sowie der Erste Securities Polska in die Erste Bank Polska.
Ausblick 2026: Prognosen ohne und mit Polen
Für die sieben etablierten Kernmärkte (Österreich, Tschechien, Slowakei, Rumänien, Ungarn, Kroatien und Serbien) erwartet die Erste Group nun ein Kreditwachstum von 6–8 % (zuvor mehr als 5 %). Für das Betriebsergebnis wird eine verbesserte Entwicklung gegenüber dem Vorjahr erwartet: Der Zinsüberschuss sollte um etwa 5 % steigen, der Provisionsüberschuss um 7–9 % (statt mehr als 5 % zuvor) und die Betriebskosten dürften um etwa 3 % zulegen.
Die Kosten-Ertrags-Relation soll sich demnach von 48 % im Jahr 2025 auf unter 47 % im Jahr 2026 verbessern. Bei den Risikokosten wird erwartet, dass sie mit 20 bis 25 Basispunkten auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie 2025 bleiben.
Für die acht Kernmärkte inklusive Polen prognostiziert die Gruppe ein Ansteigen der Kundenkredite auf rund 290,0 Milliarden Euro (statt mehr als 285,0 Milliarden Euro). Die Eigenkapitalverzinsung (ROTE) soll 2026 über 20 % liegen (statt circa 19 %), und das Ergebnis je Aktie soll um mehr als 20 % steigen; Vergleichsbasis ist der um Einmaleffekte bereinigte Nettogewinn 2025.
Finanzambition bis 2030
Die Erste Group veröffentlichte darüber hinaus finanzielle Ambitionen bis 2030: Die Gruppe strebt eine Verdoppelung des Ergebnisses je Aktie (EPS) bis 2030 auf über 15 Euro an. Als Ausgangsbasis nennt die Gruppe den bereinigten Gewinn je Aktie von 2025 in Höhe von 7,72 Euro; daraus ergibt sich laut Mitteilung eine durchschnittliche jährliche EPS-Wachstumsrate (CAGR) von circa 15 % im Zeitraum 2025–2030.
Gleichzeitig strebt die Gruppe eine Eigenkapitalverzinsung (ROTE) von über 20 % während des Prognosezeitraums an. Als Grundlage für diese Ziele nennt die Mitteilung nachhaltiges Wachstum im Kredit-, Einlagen- und Asset‑Management-Geschäft, mögliche Akquisitionen in Polen und der Region, Effizienzgewinne durch Größe, ein solides Kreditumfeld sowie Kapitalausschüttungen mittels Dividenden und Aktienrückkäufen. Den Annahmen liege zudem ein weiterhin positives Zinsumfeld, eine weitgehend stabile geopolitische Lage und unveränderte Rahmenbedingungen bei Bankenabgaben, regulatorischen Anforderungen und der allgemeinen Steuerbelastung zugrunde.
Begriffe und Kennzahlen erklärt
CET1-Quote
Die harte Kernkapitalquote (CET1) ist eine wichtige regulatorische Kennzahl, die das harte Kernkapital einer Bank im Verhältnis zu ihren risikogewichteten Aktiva darstellt. Die Erste Group gibt für H1 2026 eine CET1‑Quote von 15,2 % an (Dezember 2025: 19,3 %).
NPL‑Quote
Die NPL‑Quote (Non‑Performing Loans) bezeichnet den Anteil notleidender Kredite am Gesamtvolumen der Kredite. Bei der Erste Group lag diese Quote im Berichtszeitraum bei 2,3 % (Dezember 2025: 2,4 %), was in der Mitteilung als weiterhin niedrig bezeichnet wird.
Zinsüberschuss und Provisionsüberschuss
Der Zinsüberschuss ist die Differenz zwischen Zinserträgen und Zinsaufwendungen. Der Provisionsüberschuss umfasst Erträge aus Gebühren und Provisionen, etwa aus dem Wertpapiergeschäft. Beide Kennzahlen werden in der Mitteilung getrennt ausgewiesen; Zinsüberschuss und Provisionsüberschuss trugen deutlich zum Anstieg der Betriebserträge bei.
AuM (Assets under Management)
Als AuM bezeichnet man das von Asset‑Managern verwaltete Vermögen. Die Erste Asset Management erhöhte das verwaltete Vermögen (exkl. Polen) seit Dezember 2025 um 7,6 % auf knapp 112 Milliarden Euro; nicht berücksichtigt sind dabei rund 7,7 Milliarden Euro verwaltetes Vermögen der polnischen Fondsgesellschaft Erste TFI.
ROTE und EPS
ROTE steht für Return on Tangible Equity beziehungsweise Eigenkapitalverzinsung; EPS bezeichnet das Ergebnis je Aktie. Die Gruppe hat ROTE‑Ziele von über 20 % für 2026 bzw. für den Prognosezeitraum bis 2030 sowie eine Zielmarke für das EPS von mehr als 15 Euro bis 2030 genannt.
Wesentliche Zahlen zusammengefasst
- Kundenkredite H1 2026: 282,7 Milliarden Euro (inkl. Erste Bank Polska)
- Neues Jahresziel für Kundenkredite 2026: rund 290 Milliarden Euro
- Einlagen H1 2026: 323,7 Milliarden Euro
- AuM (exkl. Polen): knapp 112 Milliarden Euro
- Zinsüberschuss H1 2026 (inkl. Polen): 5,4 Milliarden Euro
- Betriebsergebnis H1 2026 (inkl. Polen): 4,4 Milliarden Euro
- Risikokosten H1 2026: 583 Millionen Euro (davon IFRS‑9‑Einmaleffekte 302 Millionen Euro)
- Nettogewinn H1 2026 (inkl. Polen): 2,0 Milliarden Euro
- CET1‑Quote: 15,2 %
FAQ zur Halbjahresmitteilung der Erste Group
Weshalb wurde das Kreditziel für 2026 angehoben?
Die Erste Group nennt als Begründung das kräftige Wachstum des Kreditportfolios in den vergangenen sechs Monaten, das das ursprüngliche Jahresziel von 285 Milliarden Euro bereits in Reichweite brachte. Die Gruppe erhöhte daraufhin das Ziel für 2026 auf rund 290 Milliarden Euro.
Inwieweit beeinflusst die Erstkonsolidierung der Erste Bank Polska die Zahlen?
Die Mitteilung hebt hervor, dass die Konsolidierung der neu erworbenen polnischen Bank die Ergebnisse signifikant verbesserte. Zugleich betont die Gruppe, dass auch ohne den Konsolidierungseffekt das organische Wachstum weiterhin stark und intakt sei.
Welche Auswirkungen hatten Einmaleffekte auf die Risikokosten?
Die Risikokosten stiegen im ersten Halbjahr auf 583 Millionen Euro. Davon entfallen nach Angaben der Gruppe 302 Millionen Euro auf nach IFRS 9 erfasste Einmaleffekte; weitere 60 Millionen Euro betrafen das bestehende Kreditportfolio der polnischen Tochter.
Wie haben sich Bankensteuern ausgewirkt?
Die Belastung durch Bankensteuern verdoppelte sich nahezu auf 392 Millionen Euro. Die Gruppe führt dies auf höhere Belastungen in Ungarn und Rumänien sowie auf die erstmalige Verbuchung einer Bankenabgabe in Polen zurück. In der Slowakei wurden 33 Millionen Euro an Bankensteuern in der Position Steuern vom Einkommen verbucht.
Wie weit ist die Integration der polnischen Einheiten fortgeschritten?
Die Erstkonsolidierung eines beherrschenden 49 %-Anteils erfolgte im Jänner 2026, das Rebranding im April 2026. Laut Mitteilung geht die Integration planmäßig in die nächste Phase; zentrale Aufgaben sind die vollständige technische Anbindung an die Infrastruktur der Gruppe sowie die rechtliche und organisatorische Eingliederung der Tochtergesellschaften, darunter die Einbindung der Erste TFI in die Erste Asset Management und der Erste Securities Polska in die Erste Bank Polska.
Welche Erwartungen hat die Gruppe für 2026?
Für die sieben etablierten Kernmärkte erwartet die Erste Group ein Kreditwachstum von 6–8 %. Zinsüberschuss, Provisionsüberschuss und Betriebskosten sollen sich im Rahmen der genannten Bandbreiten entwickeln; die Kosten‑Ertrags‑Relation soll sich verbessern. Inklusive Polen rechnet die Gruppe mit höheren Kundenkrediten und einer ROTE von über 20 % für 2026.
Quellen und Kontakt
Quelle: Mitteilung der Erste Group Bank AG, 30.07.2026.
Weitere Informationen: http://www.erstegroup.com
Kontakt laut Mitteilung: Telefon +43(0)5 0100 - 13425, E‑Mail press [at] erstegroup.com
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