Apothekerverband: Öffentliche Apotheken statt Hausapotheken
Österreichischer Apothekerverband widerspricht Ärztekammer und betont Rolle der öffentlichen Apotheke für Arzneimittelversorgung
Der Österreichische Apothekerverband kritisiert die Forderung der Ärztekammer nach mehr ärztlichen Hausapotheken und nennt Gründe sowie Zahlen zur Erreichbarkeit, Öffnungszeiten und Lagerausstattung öffentlicher Apotheken.
Der Österreichische Apothekerverband hat in einer Aussendung die erneute Forderung der Ärztekammer nach dem Ausbau ärztlicher Ordinationen mit angeschlossener Arzneimittelabgabe kritisch kommentiert. Laut Verband seien solche Abgabestellen nicht ausreichend versorgungswirksam, weil sie nur begrenzte Öffnungszeiten aufweisen und damit nicht zur flächendeckenden Arzneimittelversorgung passen.
In der Mitteilung hebt der Verband insbesondere Unterschiede zwischen öffentlichen Apotheken und ärztlichen Abgabestellen hervor und nennt konkrete Zahlen zu Öffnungszeiten, Erreichbarkeit und Lagerumfang. Vertreter des Verbandes fordern, statt auf Hausapotheken zu setzen, die öffentlichen Apotheken mit ihren Angebotsformen in eine Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung einzubinden.
Die Forderung der Ärztekammer im Überblick
Die Ärztekammer hatte in einer Pressekonferenz den Ausbau ärztlicher Ordinationen mit angeschlossener Arzneimittelabgabe gefordert, worauf der Österreichische Apothekerverband reagierte. In der Aussendung heißt es: „In Ihrer heutigen Pressekonferenz fordert die Ärztekammer einmal mehr den Ausbau ärztlicher Ordinationen mit angeschlossener Arzneimittelabgabe – und übersieht dabei, dass derartige Abgabestellen nicht versorgungswirksam genug sind."
Der Verband sieht die vorgeschlagenen Modelle als Teilzeitangebote, die nach seiner Darstellung nicht mit der Lebensrealität der Bevölkerung übereinstimmen. Thomas W. Veitschegger, Präsident des Österreichischen Apothekerverbands, wird mit den Worten zitiert: „Bei durchschnittlich rund 20 Stunden Öffnungszeit ist die Medikamentenabgabe in einer Arztordination lediglich ein Teilzeitangebot, das mit der Lebensrealität der Bevölkerung nicht im Einklang steht. Zudem halten sich Erkrankungen nicht an diese Öffnungszeiten."
Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung braucht die öffentliche Apotheke
Der Verband betont in der Aussendung, dass eine vollumfängliche Arzneimittelversorgung nur in der öffentlichen Apotheke gegeben sei. Andreas Hoyer, 1. Vize-Präsident des Österreichischen Apothekerverbands, wird wie folgt zitiert: „Lange Öffnungszeiten, Nacht- Wochenend- und Feiertagsdienste, ein umfassendes Arzneimittellager mit tausenden Präparaten und die Möglichkeit Medikamente individuell zuzubereiten – all das machen echte Apotheken aus."
Weiter heißt es: "Werden sie durch ärztliche Abgabestellen verdrängt, wird sich die Versorgungssituation massiv verschlechtern. Eine Weiterentwicklung unserer Versorgungslandschaft wird so nicht gelingen." Diese Formulierungen verdeutlichen die Position des Verbandes, die öffentliche Apotheke als zentralen Baustein der Arzneimittelversorgung zu sehen.
Apotheken können mit weiteren Angeboten die Versorgung verbessern
Der Verband führt in der Aussendung an, dass über die Landesgrenzen hinweg Österreich mehr sogenannte Hausapotheken hat als alle übrigen EU-Länder zusammen. Alexander Hartl, 2. Vizepräsident des Österreichischen Apothekerverbands, wird so zitiert: „Dass sie sich international nicht durchgesetzt haben, ist kein Wunder. Denn die Verschreibung und die Abgabe eines Arzneimittels erfolgen nicht getrennt voneinander und der notwendige Gegencheck der Verordnung unterbleibt."
Als Alternativen zu ärztlichen Abgabestellen nennt der Verband niederschwellige Angebote, die von öffentlichen Apotheken angeboten werden können, konkret Impfungen, Gesundheitstests und Beratungsangebote. In der Aussendung heißt es: "Impfungen, Gesundheitstests, Beratungsangebote – hier haben wir enormes Verbesserungspotenzial, das mit den öffentlichen Apotheken gehoben werden kann."
Daten und Fakten zur öffentlichen Apotheke
- Durchschnittliche Öffnungszeit: 50 Stunden pro Woche
- 95 Prozent der Bevölkerung erreichen die nächste öffentliche Apotheke in weniger als 10 Minuten
- Eine öffentliche Apotheke hat rund 6.000 verschiedene Präparate lagernd – die ärztliche Abgabestelle 400 bis 500
- Rund 3 Millionen Arzneimittel werden jedes Jahr individuell für Patienten zubereitet
Die genannten Zahlen sind Teil der Aussendung des Österreichischen Apothekerverbands und dienen dort als Grundlage für die Darstellung der Leistungsfähigkeit öffentlicher Apotheken gegenüber ärztlichen Abgabestellen.
Kernargumente des Österreichischen Apothekerverbands
Aus der Aussendung lassen sich mehrere Kernargumente des Verbandes herauslesen. Erstens wird die zeitliche Verfügbarkeit als zentrales Kriterium genannt: Die Apotheke werde durchschnittlich deutlich länger geöffnet als die von der Ärztekammer ins Spiel gebrachten ärztlichen Abgabestellen, die nach Angaben des Verbandes durchschnittlich rund 20 Stunden Öffnungszeit aufweisen.
Zweitens hebt der Verband den Umfang des Arzneimittellagers und die individuelle Zubereitung von Medikamenten hervor: Öffentliche Apotheken würden nach Darstellung des Verbandes wesentlich mehr Präparate vorrätig halten und regelmäßig individuelle Zubereitungen für Patienten vornehmen. Drittens nennt der Verband zusätzliche Dienstleistungen wie Impfungen und Gesundheitstests als Bereiche, in denen Apotheken Angebote ausbauen könnten.
Hausapotheke, Öffnungszeiten, Arzneimittellager und Verordnungs-Gegencheck erklärt
Hausapotheke / ärztliche Abgabestelle: In der Aussendung werden damit Ordinationen mit angeschlossener Arzneimittelabgabe bezeichnet. Der Verband beschreibt diese Form als tendenziell mit kürzeren Öffnungszeiten (durchschnittlich rund 20 Stunden pro Woche) und mit einem deutlich kleineren Lagerumfang (400 bis 500 Präparate) im Vergleich zur öffentlichen Apotheke.
Öffentliche Apotheke: Der Begriff umfasst nach der Mitteilung Apotheken mit längeren Öffnungszeiten, Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdiensten, einem größeren Arzneimittellager von rund 6.000 Präparaten und der Möglichkeit, Medikamente individuell zuzubereiten.
Öffnungszeiten: Die Aussendung stellt die durchschnittlichen Öffnungszeiten gegenüber: 50 Stunden pro Woche für öffentliche Apotheken versus rund 20 Stunden pro Woche bei ärztlichen Abgabestellen. Diese Größenordnung nutzt der Verband, um die Erreichbarkeit und Verfügbarkeit als Unterscheidungsmerkmal zu betonen.
Arzneimittellager: Mit dem Verweis auf rund 6.000 vorrätige Präparate in öffentlichen Apotheken gegenüber 400 bis 500 in ärztlichen Abgabestellen unterstreicht der Verband Unterschiede in der Lagerbreite als wesentliches Leistungsmerkmal.
Verordnungs-Gegencheck: Der Verband weist darauf hin, dass bei einer Trennung von Verschreibung und Abgabe der notwendige Gegencheck der Verordnung unterbleiben kann. Damit spricht er die Bedeutung der Prüfung einer Verordnung im Prozess der Abgabe an.
Welche Rolle öffentliche Apotheken laut Apothekerverband einnehmen sollen
Der Verband skizziert öffentliche Apotheken als zentrale Versorgungsstellen, die über längere Öffnungszeiten, eine breitere Lagerhaltung und die Erfahrung in der individuellen Zubereitung von Arzneimitteln verfügen. In der Aussendung wird dies als Grundlage genannt, um öffentliche Apotheken in eine Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung einzubinden.
Weiterhin nennt der Verband konkrete Angebotsfelder, in denen öffentliche Apotheken laut Mitteilung zusätzliche Leistungen erbringen könnten: Impfungen, Gesundheitstests und Beratungsangebote. Diese Punkte werden in der Aussendung als mögliche Hebel für eine Verbesserung der Versorgung dargestellt.
Was der Verband über mögliche Folgen ärztlicher Abgabestellen sagt
- Verdrängungseffekt: Der Verband warnt in der Aussendung, dass durch eine Verdrängung öffentlicher Apotheken die Versorgungssituation "massiv verschlechtern" könne.
- Versorgungswirksamkeit: Der Verband bewertet ärztliche Abgabestellen nach der Aussendung als nicht ausreichend versorgungswirksam, weil sie laut Mitteilung weniger Stunden geöffnet sind und ein deutlich kleineres Arzneimittellager haben.
Diese Punkte spiegeln die in der Aussendung geäußerte Einschätzung des Verbandes wider und erläutern, welche Aspekte der Verband bei der Beurteilung von Modellen zur Arzneimittelabgabe als relevant ansieht.
FAQ zur Aussage des Österreichischen Apothekerverbands
Was kritisiert der Apothekerverband an der Forderung der Ärztekammer?
Der Verband kritisiert, dass ärztliche Abgabestellen nach seiner Darstellung nicht versorgungswirksam genug seien. Als zentrales Argument wird in der Aussendung genannt, dass die Medikamentenabgabe in Arztordinationen mit durchschnittlich rund 20 Stunden Öffnungszeit ein Teilzeitangebot darstelle und damit nicht mit der Lebensrealität der Bevölkerung übereinstimme.
Welche Unterschiede nennt der Verband zwischen Apotheken und ärztlichen Abgabestellen?
In der Mitteilung nennt der Verband mehrere Unterschiede: Öffentliche Apotheken hätten im Durchschnitt 50 Stunden Öffnungszeit pro Woche, seien flächendeckend erreichbar (95 Prozent der Bevölkerung in weniger als 10 Minuten) und würden rund 6.000 Präparate lagernd haben. Ärztliche Abgabestellen werden demgegenüber mit 400 bis 500 Präparaten beschrieben.
Welche zusätzlichen Leistungen nennt der Verband für Apotheken?
Der Verband nennt in der Aussendung Impfungen, Gesundheitstests und Beratungsangebote als Beispiele für niederschwellige Angebote, die öffentliche Apotheken ausbauen könnten. Diese Leistungen werden als mögliche Ergänzung zur Arzneimittelabgabe dargestellt.
Wie häufig werden Arzneimittel individuell zubereitet?
Die Aussendung nennt die Zahl von rund 3 Millionen Arzneimitteln, die jedes Jahr individuell für Patienten zubereitet werden. Diese Zahl wird im Text verwendet, um die Rolle der Apotheken in der individuellen Arzneimittelherstellung zu illustrieren.
Was sagt der Verband zur internationalen Verbreitung von Hausapotheken?
Der Verband weist darauf hin, dass Österreich nach seiner Darstellung mehr sogenannte Hausapotheken hat als alle übrigen EU-Länder zusammen und dass sich dieses Modell international nicht durchgesetzt habe. In der Aussendung wird dies als ein Hinweis darauf gewertet, dass das Modell nicht zwangsläufig zukunftsfähig ist.
Quellen und Kontakt
Quelle: Österreichischer Apothekerverband (Aussendung vom Herausgeber)
Kontakt: Österreichischer Apothekerverband, Mag. Ralph Luger, Telefon: 06642453319, E-Mail: ralph.luger[at]apothekerverband.at
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Grundlage: Presseaussendung von Österreichischer Apothekerverband, verbreitet über APA-OTS. Originalfassung: www.ots.at
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