Manner-Waffelofen versorgt 600 Haushalte mit nachhaltiger Wärme
Seit 2016 nutzt Wien Energie die Abwärme der Manner-Produktion für die Fernwärmeversorgung - ein Vorzeigeprojekt für nachhaltige Energiewende.
Eine süße Erfolgsgeschichte feiert Jubiläum: Seit zehn Jahren versorgt die sogenannte "Schnitten-Heizung" von Manner und Wien Energie 600 Haushalte in Wien-Ottakring und Hernals mit nachhaltiger Fernwärme. Das innovative Projekt, das 2016 startete, nutzt die Abwärme aus der Waffelproduktion des traditionsreichen Wiener Unternehmens und speist sie ins lokale Fernwärmenetz ein.
Die Technik hinter der "Schnitten-Heizung" ist beeindruckend: Ein spezielles Rohrsystem sammelt die heiße Abluft der Waffelöfen und führt sie über einen Ventilator aufs Dach der Manner-Fabrik in Hernals. Dort wird mit der heißen Luft Wasser erhitzt, das die Wärmeenergie aufnimmt und ins Fernwärmenetz weiterleitet. Die Leistung von einem Megawatt reicht aus, um den Wärmebedarf von 600 durchschnittlichen Wiener Haushalten zu decken.
"Die Schnitten-Heizung ist die süßeste Wärmeversorgung Wiens und Manner eines der bekanntesten Wiener Unternehmen, das seine Wärme direkt in das Wiener Fernwärmenetz einspeist", erklärt Ulli Sima, zuständige Stadträtin für die Wiener Stadtwerke. "Der duftende Waffelofen ist ein Paradebeispiel effizienter und regionaler Wärmenutzung."
Das Manner-Projekt ist ein wichtiger Baustein in Wiens ambitionierter Energiewende-Strategie. Die Stadt will bis 2040 klimaneutral werden und setzt dabei auf verschiedene innovative Wärmequellen. Neben der Schnitten-Heizung nutzt Wien Energie bereits die Abwärme der Therme Wien für 1.900 Haushalte, betreibt eine Großwärmepumpe bei der ebs Kläranlage für 56.000 Haushalte und versorgt die Klinik Floridsdorf mit Abwärme aus dem Digital Realty Rechenzentrum.
"Schon vor 10 Jahren haben wir gemeinsam mit Manner gezeigt, wie wir vorhandene Abwärme effizient für die Wienerinnen und Wiener nutzen können", betont Alma Kahler, Geschäftsführerin von Wien Energie. "Die Wiener Fernwärme wird mit innovativen Lösungen schrittweise unabhängiger von fossilen Energieträgern wie Erdgas."
Das Traditionsunternehmen Manner, das 1890 in Wien gegründet wurde, investierte ab 2012 insgesamt 40 Millionen Euro in die Modernisierung und den Ausbau seines Stammsitzes im 17. Wiener Gemeindebezirk. In diesem Zuge begann auch die Zusammenarbeit mit Wien Energie. Seit 2016 wird die Abwärme von einem der weltweit größten Waffelbacköfen genutzt.
"Seit über 135 Jahren steht Manner für Süßwarenqualität und Wiener Tradition. Die Investitionen in den Ausbau und die Modernisierung unseres Stammsitzes in Hernals sind ein klares Bekenntnis zur regionalen Produktion in Wien", erklärt Manner CEO Dieter Messner. "Mit der Schnitten-Heizung zeigen wir, dass Verantwortung und Innovation genauso zu unserem Selbstverständnis gehören."
Die Effizienz des Systems zeigt sich in der doppelten Nutzung: Ein Teil der Abwärme wird direkt im Werk verwendet, wo aus der Wärmeenergie Kälte für betriebliche Kühlzwecke entsteht. Der Rest versorgt Hunderte Haushalte in der Nachbarschaft mit Heizung und Warmwasser.
Das Projekt findet auch parteiübergreifend politische Anerkennung. NEOS-Klubobfrau Selma Arapović gratuliert zum Jubiläum und betont die Vorreiterrolle Wiens: "Die Schnitten-Heizung zeigt, wie gut Wiener Tradition und Innovation zusammenpassen. Was hier seit Generationen entsteht, wird heute doppelt genutzt: zuerst für beste Waffeln für die ganze Welt, dann für saubere Wärme in der Nachbarschaft."
Josef Taucher, Vorsitzender des Unterausschusses Wiener Stadtwerke, sieht in Manner ein Vorbild: "Wien soll bis 2040 klimaneutral sein, dafür braucht es einen engen Schulterschluss zwischen Politik und Wirtschaft. Manner geht hier seit vielen Jahren mit gutem Beispiel voran und zeigt, dass Tradition und Innovation in Wien Hand in Hand gehen."
Die Fernwärme spielt eine zentrale Rolle bei der Dekarbonisierung Wiens. Bis 2040 soll ihr Anteil am gesamten Wärmebedarf von derzeit gut 40 auf 56 Prozent steigen. Bereits heute versorgt das Wiener Fernwärmenetz 479.000 Haushalte - das entspricht 44 Prozent aller Wiener Wohnungen.
Das 1.350 Kilometer lange Fernwärmenetz, das 1964 seinen Betrieb aufnahm, wird kontinuierlich ausgebaut und modernisiert. Um mehr Kundinnen und Kunden versorgen zu können und gleichzeitig von fossilen Energieträgern unabhängig zu werden, muss die erneuerbare Wärmeproduktion massiv ausgebaut werden.
Neben Abwärmeprojekten wie bei Manner setzt Wien Energie verstärkt auf Großwärmepumpen. Die drei größten Anlagen können zusammen so viel Wärme produzieren, wie 97.000 durchschnittliche Wiener Haushalte benötigen:
Das größte Potenzial für die Zukunft sieht Wien Energie in der Tiefengeothermie - der Nutzung von Erdwärme aus 3.000 Metern Tiefe. Gemeinsam mit der OMV errichtet das Unternehmen aktuell die erste Anlage in der Seestadt Aspern, die ab 2028 20.000 Haushalte mit Erdwärme versorgen soll.
Bis 2040 sind bis zu sieben Tiefengeothermie-Anlagen geplant, die umgerechnet 200.000 Wiener Haushalte versorgen könnten. "Unser größter Wärmeschatz ist die Tiefengeothermie, die mit Heißwasser aus 3.000 Metern Tiefe im Vollausbau bis zu 200.000 Haushalte versorgen wird", erklärt Stadträtin Sima.
Die Erfolgsgeschichte der Manner-Schnitten-Heizung zeigt, wie Unternehmen mit relativ einfachen Mitteln einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten können. Das Projekt beweist, dass auch kleinere Abwärmequellen einen wertvollen Beitrag zur nachhaltigen Wärmeversorgung einer Großstadt leisten können.
Die "süßeste Wärmeversorgung Wiens" steht damit nicht nur für innovative Technik, sondern auch für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen privatwirtschaftlichen Unternehmen und öffentlichen Versorgern im Kampf gegen den Klimawandel. Nach zehn erfolgreichen Jahren ist die Schnitten-Heizung zu einem Symbol dafür geworden, wie Tradition und Nachhaltigkeit erfolgreich miteinander verbunden werden können.